Friedrich
Ebert

Friedrich Ebert (1871–1925), gelernter Sattler aus Heidelberg, war bereits in jungen Jahren politisch und gewerkschaftlich in Bremen aktiv. Seit 1905 im Parteivorstand der SPD in Berlin tätig, wurde er 1912 Mitglied des Reichstages und 1916 einer der Vorsitzenden der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Bereits 1913 war er nach August Bebels Tod zum Parteivorsitzenden der SPD gewählt worden. Nach dem Sieg der Revolution von 1918 übernahm er den Mitvorsitz der Revolutionsregierung, des „Rates der Volksbeauftragten“. Er war ein entschiedener Gegner der „Diktatur des Proletariats“ und eines Rätesystems nach russischem Friedrich ebert Vorbild. Stattdessen befürwortete er die parlamentarische Demokratie und setzte die Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung durch, die ihn am 11. Februar 1919 zum Reichspräsidenten wählte.

In seiner Amtszeit zielte er auf politischen und sozialen Ausgleich zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum und lehnte eine klassenkämpferische Politik ab, was auch innerhalb der Sozialdemokratie nicht unumstritten war. Doch insbesondere die Rechte machte ihn zur Zielscheibe von Verleumdungen und Verunglimpfungen, die in seiner Person die Republik treffen sollten und 1925 zum frühen Tod dieses ersten demokratisch gewählten Staatsoberhaupts in Deutschland beitrugen.

Wer wir sind

Die 1925 gegründete Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) ist die traditionsreichste politische Stiftung in Deutschland. Reichspräsident Friedrich Ebert gab ihr den Namen; seinem politischen Vermächtnis verdankt die Stiftung ihre Entstehung und Aufgabenstellung. Die Stiftung wurde 1933 von den Nazis verboten und erst 1947 wiedergegründet.

Als eine parteinahe politische Stiftung orientieren wir unsere Arbeit an den Grundwerten der Sozialen Demokratie: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Das verbindet uns ideell mit der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften. Als gemeinnützige Einrichtung gestalten wir unsere Arbeit eigenständig und unabhängig.

FES-Büro Warschau

Die Vertretung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Warschau besteht seit Anfang des Jahres 1990. Ihr erster Leiter war Klaus Grimm. Seit dieser Zeit gehört die Unterstützung der Transformations- und Integrationsprozesse auf allen Ebenen, die Förderung von wissenschaftlichen Institutionen sowie die Beratung für den Aufbau von Strukturen einer freien und sozialen Marktwirtschaft und für die Gestaltung einer neuen Sozialpolitik zu ihren wichtigsten Aufgaben. Ebenso wurde ein Prozess angestoßen, um bestimmte Regionen Polens in die Regionalpolitik der Europäischen Union einzubeziehen und die Position Polens innerhalb der EU zu stärken.

FES in Gleiwitz

Im Mai 1992 eröffnete die Vertretung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Polen eine Außenstelle in Gleiwitz (Oberschlesien), die bis Ende 1997 tätig war. Ihr Arbeitsbereich war hauptsächlich die Regionalentwicklung Schlesiens mit besonderer Berücksichtigung der dort lebenden deutschen Minderheit. Der Direktor war Thaddäus Schäpe, der das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit (HDPZ) in Gleiwitz initiierte und im Februar 1998 mitbegründete.

Was wir anstreben:

Eine freie und solidarische Gesellschaft mit gleichen Chancen der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Teilhabe – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Religion; eine lebendige und starke Demokratie; eine nachhaltig wachsende Wirtschaft mit Guter Arbeit für alle; einen Sozialstaat, der vorsorgend mehr Bildung und bessere Gesundheit ermöglicht, aber auch Armut bekämpft und die großen Lebensrisiken absichert; ein Land, das in Europa und in der Welt Verantwortung für Frieden und sozialen Fortschritt übernimmt.

Was wir tun:

Wir fördern und stärken die Soziale Demokratie vor allem durch:

Politische Bildungsarbeit zur Stärkung der Zivilgesellschaft. Unsere Informations-, Orientierungs- und Qualifizierungsangebote motivieren und befähigen zu einem erfolgreichen politischen, gewerkschaftlichen und bürgerschaftlichen Engagement. Wir verbessern die Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger an gesellschaftlichen Diskussions- und Entscheidungsprozessen;

Politikberatung: Wir entwickeln Strategien zu zentralen Fragen der Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik sowie zu Grundsatzfragen der Demokratieentwicklung. An den Schnittstellen von Wissenschaft und politischer Praxis gestalten wir den öffentlichen Diskurs für eine gerechte und zukunftsfähige Wirtschafts- und Sozialordnung auf nationaler, europäischer und globaler Ebene;

Internationale Zusammenarbeit: Mit Auslandsbüros in über 100 Ländern unterstützen wir eine Politik für friedliche Zusammenarbeit und Menschenrechte, fördern den Aufbau und die Konsolidierung demokratischer, sozialer und rechtsstaatlicher Strukturen und sind Wegbereiter für freie Gewerkschaften und eine starke Zivilgesellschaft. Im europäischen Einigungsprozess engagieren wir uns intensiv für ein soziales, demokratisches und wettbewerbsfähiges Europa;

Begabtenförderung unter besonderer Berücksichtigung von Studierenden und Promovierenden aus einkommensschwachen Familien und solchen mit Migrationshintergrund. Dadurch tragen wir zu mehr Bildungsgerechtigkeit bei;

Das kollektive Gedächtnis der Sozialen Demokratie: Mit dem Archiv, unserer Bibliothek und zeitgeschichtlichen Projekten halten wir die historischen Wurzeln von Sozialdemokratie und Gewerkschaften lebendig und unterstützen die gesellschaftspolitische und historische Forschung.

Formen der Aktivität:

Nationale und internationale Konferenzen, (Podiums-) Diskussionen, (Experten-) Seminare, Workshops, Sommerschulen, Schulungen, Policy Papers und Analysen, Publikationen etc.

Die Erich-Brost-Stiftung

Die Erich-Brost-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung engagierte sich sehr intensiv in Polen. Schon seit der Gründung der Brost-Stiftung Mitte der 1990er Jahre fokussierte sie sich im besonderen Maße auf die Verbesserung und Intensivierung der deutsch-polnischen Beziehungen. Das besondere Verhältnis des Stiftungsgründers Erich Brost (1903–1995, Publizist und Verleger der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung in Essen, WAZ) zu Danzig stand dabei im Mittelpunkt. Zu den wichtigsten Projekten der Erich- Brost-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung zählen das Jahresgutachten „EU-Monitoring“, die Verleihung des Erich-Brost-Preises, die Danziger Gespräche, die Stiftung von Gedenktafeln in Polen für verstorbene wichtige deutsche Sozialdemokraten, die Herausgabe der historisch-zeitgeschichtlichen Bücherreihe „Brostiana“, die Unterstützung der Übersetzungsarbeit einer polnischen Ausgabe des „Neuen Lexikons des Judentums“ von Prof. Julius H. Schoeps etc.

Themen, die die FES Warschau seit 1990 prägen:

Willy Brandt

Deutsch­polnische Aussöhnung

Die Themen Aussöhnung, Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland hatten von Beginn an Priorität für die FES in Warschau. Ohne gegenseitiges Vertrauen und den Willen zur Zusammenarbeit (trotz einer schwierigen Vergangenheit) und ohne die Bereitschaft der Menschen auf beiden Seiten – der polnischen wie der deutschen – wäre die Arbeit der FES in Warschau kaum denkbar.

Meilensteine für die deutsch-polnische Aussöhnung waren das von namhaften evangelischen Persönlichkeiten im Jahre 1962 veröffentliche Tübinger Memorandum, ein Wegbereiter der Ostdenkschrift aus dem Oktober 1965, und nicht zuletzt der Hirtenbrief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder vom November 1965 mit den berühmten Worten: „wir (...) gewähren Vergebung und bitten um Vergebung.“ Als Reaktion auf das Ausbleiben einer angemessenen Antwort seitens der deutschen Bischöfe veröffentlichte der Bensberger Kreis im Jahr 1968 das Bensberger Memorandum, in dem die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze gefordert wurde. Diese erfolgte dann im Jahr 1970 im Rahmen des Warschauer Vertrags und wäre ohne die von Willy Brandt betriebene Entspannungspolitik nicht möglich gewesen. Von Bedeutung waren auch die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und Pax Christi.

Im Nachgang der polnischen Wahlen im Juni 1989 und nach der Wiedervereinigung Deutschlands kam es zu einer grundlegenden Änderung der Rahmenbedingungen für die deutsch-polnischen Beziehungen. Die Kreisauer Versöhnungsmesse am 12. November 1989, an der Bundeskanzler Helmut Kohl und Premierminister Tadeusz Mazowiecki teilnahmen, symbolisiert eine neue Ära auf der Grundlage von Aussöhnung und umfassenden Beziehungen. Besiegelt wurde sie durch den deutsch-polnischen Grenzvertrag vom 14. November 1990, der die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze als endgültig bestätigte. In späteren Jahren kam es in den deutschpolnischen Beziehungen zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen über Erinnerung und Geschichte. Aus diesem Grund ist der Einsatz für die Weiterentwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen sowie für den beiderseitigen, intensiven und konstruktiven Dialog auch im Kontext deutsch-polnischer Zusammenarbeit auf europäischer Ebene weiterhin von großer Bedeutung für die FES in Warschau.

Gewerk­schaften

Der Großteil der westdeutschen Gesellschaft bewunderte die Polen für den Mut, mit dem sie dem kommunistischen Regime in den siebziger und achtziger Jahren entgegentraten. Die „Solidarność“ weckte jedoch auch die Sorge deutscher Politiker darüber, dass eine Verschärfung des gesellschaftlichen und politischen Konflikts in einem Mitgliedstaat des Warschauer Pakts eine Gegenreaktion der Sowjetunion hervorrufen könnte, mit fatalen Auswirkungen auf den Entspannungs- und Friedensprozess. Gleichzeitig brachten die Deutschen vielmals und massiv ihre Solidarität und Hilfsbereitschaft gegenüber den Polen zum Ausdruck. Insbesondere in der Zeit nach der Verhängung des Kriegsrechts 1981 nahm die Unterstützung die Form der größten Paket-Hilfsaktion nach dem Kriegsende an. Die Unterstützung für polnische Emigranten und die Hilfe für die illegal tätitätige Opposition, insbesondere für die Untergrundstrukturen der „Solidarność“, erfolgten auch vonseiten des DGB, zahlreicher Gewerkschaftern sowie SPD-Politikern.

Von Anfang an waren die Unterstützung der demokratischen Gewerkschaftsbewegung in Polen, dessen innere Reform, die Versuche einer Anpassung an die neue Rolle und die Aufgaben unter den neuen sozialökonomischen Gegebenheiten nach 1989 ein wichtiger Tätigkeitsbereich der FES in Warschau. Zunächst gab es eine intensive Zusammenarbeit mit Regional-, Branchen- und Betriebsstrukturen der Gewerkschaft „Solidarność“. In den Folgejahren wurde die Zusammenarbeit auf die übrigen Gewerkschaftsverbände und deren Mitgliederorganisationen ausgeweitet, zunächst mit dem Gesamtpolnischen Gewerkschaftsverband (OPZZ) und später, ab seiner Gründung, mit dem Forum der Gewerkschaften (Forum ZZ). In Zusammenarbeit mit dem DGB, dem EGB und auch europäischen Branchengewerkschaftsverbänden engagierte sich die FES umfassend mit Gewerkschaftsschulungen, deren Aufgabe der Wissenstransfer und die Professionalisierung der Tätigkeit von Gewerkschaften in Polen sowie auch ein für alle nützlicher Informations- und Erfahrungsaustausch war. Über die gesamte Zeit hinweg bemühte sich die FES darum, den polnischen Gewerkschaften bei der Knüpfung von Kontakten und der internationalen Zusammenarbeit mit Partnern in Deutschland, Europa und der Welt zu helfen. Diese Kontakte hatten nicht selten den Eintritt polnischer Organisationen in europäische Strukturen, in europäische Branchenverbände oder Europäische Betriebsräte in internationalen Konzernen zur Folge.

Transformation Polens

Die europäische Einheit nach dem Kalten Krieg verdankt Europa in besonderem Maße Polen. Das mutige Streben der Polen nach Freiheit, die Gründung der Gewerkschaft „Solidarność“ mit Lech Wałęsa an der Spitze und die Bereitschaft zum konstruktiven Dialog zweier entgegengesetzter Lager an einem runden Tisch trugen entscheidend zu dem Bröckeln einer symbolischen Mauer bei, ein Bröckeln, dass letzen Endes auch das Beton gewordene Symbol der Teilung zwischen Ost und West, die Berliner Mauer, zum Sturz brachte und den Untergang des Kommunismus in Europa einleitete. Die Entstehung von „Solidarność“ ist somit zugleich auch die „Geburtsstunde“ der deutschen Einheit.

Insbesondere durch Beratung und die Vermittlung von Fachwissen, durch internationale Treffen und den Erfahrungsaustausch, bemühte sich die FES, den Wandel des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems in Polen nach 1989 zu unterstützen. Sie tat dies im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten und der Bereitschaft zur Zusammenarbeit ihrer polnischen Partner, um Polen während der schwierigen Transformationsphase zu unterstützen. Ausgerichtet am Grundsatz der Vielfältigkeit ging sie daran, ein festes und engmaschiges Netzwerk von Kontakten mit Institutionen aufzubauen, die Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vertraten. Es wurde von Anfang an versucht, Kontakte zwischen den Vertretern der Zivilgesellschaft, Kirchen, Gewerkschaften, Jugend- und Frauenorganisationen zu knüpfen.

Auch heute, nach der gelungenen Transformation Polens, bemüht sich die FES darum, bei der Lösung aktueller gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Herausforderungen Unterstützung zu leisten, indem sie einen Erfahrungsaustausch ermöglicht und Detailanalysen bietet.

Integration Polens in die Europäische Union

Während der Transformation in Polen waren die Fragen der wirtschaftlichen und militärischen Sicherheit des neuen demokratischen Polens das vorrangige Thema für die Regierung und Gegenstand eines überparteilicher Konsensus. Die Bestrebungen um eine Mitgliedschaft in der NATO und der Europäischen Union führten dazu, dass sich unterschiedliche politische Lager in Polen zusammenschlossen. Deutschland unterstützte den Nachbarn tatkräftig bei den EU-Beitrittsbemühungen. Auch der Friedrich-Ebert-Stiftung war an der polnischen Verankerung in diesen Strukturen gelegen. Sie war zur Stelle mit Fachwissen zu diesem Thema und über den Stand der Beitrittsvorbereitungen. Die FES konzentrierte sich auf die Unterstützung der Transformationsprozesse auf sämtlichen Ebenen, auf die Unterstützung wissenschaftlicher Institutionen, die Beratung bei dem Aufbau freier Marktstrukturen und auf die Schaffung einer neuen Gesellschaftspolitik.

Heute ist die Position Polens in der EU gestärkt und die Union bedarf ihrerseits der Unterstützung. Die Friedrich-Ebert-Stiftung vermittelt einen Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen den EU-Mitgliedstaaten und regt deutsch-polnische Initiativen und Lösungen für europäische Herausforderungen an.

Die Wichtigsten Maßnahmen

Erich-Brost-Preis

Kurz vor seinem Tod stiftete Erich Brost den Erich-Brost-Preis, der seit 1996 an Menschen und Organisationen verliehen wurde, die sich um den Ausbau der Kontakte zwischen Deutschland und Polen verdient gemacht hatten, und die sich in außergewöhnlicher Weise mit ihrer künstlerischen, wissenschaftlichen oder gesellschaftspolitischen Tätigkeit für die Vertiefung der deutsch-polnischen Beziehungen eingesetzt haben. Der Preis sollte die deutsch-polnische Verständigung fördern.

Folgende Preisträger wurden mit dem Erich-Brost-Preis ausgezeichnet:

  • 1996: Kaschubisch-Pommerscher Verein
  • 1997: Stefan Chwin, Danziger Schriftsteller
  • 1998: Prof. Szczepan Baum und Prof. Ryszard Semka, Danziger Architekten
  • 1999: Die Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen September 1997, Verleihung des Erich-Brost-Preises an den Danziger Schriftsteller Stefan Chwin Von links: Anneliese Brost, Paweł Adamowicz, Stefan Chwin
  • 2001: Die Kulturgemeinschaft „Borussia“, Olsztyn
  • 2003: Die Städtepartnerschaft Bremen-Danzig

Die Jury der Erich-Brost-Preis-Verleihung setzte sich zusammen aus: Paweł Adamowicz, Prof. Władysław Bartoszewski, Prof. Jerzy Holzer, Janusz Reiter von polnischer sowie Anneliese Brost, Horst Ehmke, Hans Koschnick von deutscher Seite. Die Feierlichkeiten anlässlich der Preisverleihung im Danziger Artushof hat das FES-Büro Warschau mitorganisiert.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung in Warschau ist eine Institution, die sich seit Beginn ihrer Tätigkeit in Polen Anfang der 1990er Jahre von anderen Nichtregierungsorganisationen unterscheidet. Die Stiftung trug entscheidend zur deutsch-polnischen Aussöhnung bei, indem sie die politischen und gesellschaftlichen Beziehungen beider Völker förderte. Sie organisierte Debatten, baute den Jugendaustausch aus, unterstützte gemeinsame Initiativen und verbreitete sozialdemokratische Werte. Sie baute das Netzwerk von Experten und institutionellen Partnern aus und schuf so ein dauerhaftes Geflecht deutsch-polnischer Beziehungen. Es wäre wünschenswert, dass auch Polen im Ausland derart effektiv und dauerhaft im Nichtregierungsbereich vertreten wäre.

Ireneusz BilDirektor der Stiftung Amicus Europae

Gedenktafeln

Die FES stiftete Gedenktafeln zum Andenken wichtiger deutscher Sozialdemokraten, die enge Bindungen zu Polen hatten und die eine wichtige Rolle in der gemeinsamen Geschichte spielten. Es wurden folgende Gedenktafeln enthüllt:

  • Kurt Schumacher (1885–1952), Chełmno (Kulm), Oktober 1990
  • Carl von Ossietzky (1889–1938), Słońsk (Sonnenburg), Januar 1992
  • Hans Wichmann (1895–1937), Gdańsk (Danzig), Oktober 1992
  • Erich Brost (1903–1995), Elbląg (Elbing), Oktober 1994; Gdańsk (Danzig), September 1997.

Autorin und Herstellerin aller oben genannten Gedenktafeln war Ewelina Szczech-Siwicka, Bildhauerin und Medailleurin.

EU-monitoring

Das Jahresgutachten „EU-Monitoring“ war ein großes wissenschaftliches Projekt der FES, angefangen im Jahre 1996. Es wurde im Auftrag der Erich-Brost-Stiftung und der Friedrich-Ebert-Stiftung von einem Team polnischer Spitzenwissenschaftler erstellt. Das Gutachten untersuchte jährlich die polnische politische Gesellschaft, die ökonomische Entwicklung und die soziologische Veränderung des Landes auf dem Weg zum EU-Beitritt. An dem Projekt haben prominente Wissenschaftler_innen mitgewirkt, darunter Prof. Mirosława Marody, Prof. Jerzy Wilkin, Prof. Jerzy Hausner, Prof. Marek Belka, Prof. Marek Zirk-Sadowski, Prof. Andrzej Wojtyna.

Die Gutachten wurden vor einem großen Publikum in Warschau, in verschiedenen polnischen Großstädten sowie in Brüssel und Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Es wurden folgende Ausgaben veröffentlicht: „The Polish Transformation from the Perspective of European Integration” (1997), „Accession or Integration? Poland’s Road to the European Union” (1998), „Three Polands: The Potential for and Barriers to Integration with the European Union” (1999), „The Quality of Governance: Poland Closer to the European Union?” (2000), „The Polish Talk Show: Social Dialogue and European Integration” (2001), „The Vagaries of Institution Building: Poland’s Adjustment to the European Union” (2002), „On Course? Poland on the Eve of EU Accession” (2004).

Willy-Brandt-Lesung

Seit 2002 organisiert die FES Warschau zusammen mit dem Willy-Brandt-Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Universität Wrocław Lesungen zu Ehren von Willy Brandt. Sie finden zum Gedenken des Todestages des Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers im repräsentativen Innenraum der Universität Wrocław (Aula Leopoldina, Oratorium Marianum) statt. Die Grundidee der Lesungen besteht darin, das politische Denken Willy Brandts innerhalb der polnischen Gesellschaft zu popularisieren sowie eine Debatte zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Europa zu führen. Als Referenten werden prominente Politiker_innen und Wissenschaftler_innen eingeladen, darunter:

  • Prof. Heinrich August Winkler (2002) „Polnische Befreiung und deutsche Vereinigung. Der mühsame Weg zur Lösung von zwei Jahrhundertfragen“
  • Prof. Dieter Langewiesche (2003) „Zentralstaat – Föderativstaat. Nationalstaatsmodelle in Europa im 19. und 20. Jahrhundert“
  • Hans Ulrich Klose (2004) „Europäische Union und NATO. Aktuelle Fragen der europäischen Politik“
  • Erhard Eppler (2005) „Welches Europa wollen wir?“
  • Angelica Schwall-Düren (2006) „Deutsche und Polen – Partner für eine aktive Ostpolitik?“
  • Prof. Jürgen Kocka (2009) „1989 – Eine transnationale Revolution und ihre Folgen“
  • Gerhard Schröder (2010) „Die Europäische Union in der globalisierten Welt – Herausforderungen und Chancen für Polen und Deutschland“
  • Angelica Schwall-Düren (2012) „Die deutsch-polnische Zusammenarbeit und die Zukunft Europas: Chancen oder Kontroversen?“

Danziger Gespräche

Die Erich-Brost-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung verlieh im Jahr 2003 anlässlich des 100. Geburtstages von Erich Brost ihren Preis an die Städte Danzig und Bremen (Städtepartnerschaft). Die Preisverleihung wurde vom Präsidenten Polens Aleksander Kwaśniewski und von Bundespräsident Johannes Rau begleitet, die dies mit einer für Ausgleich und Verständigung wichtigen Handlung, der Unterzeichnung der „Danziger Erklärung“, verbanden. Damit schufen sie den Anknüpfungspunkt für die Danziger Gespräche.

Das erste Danziger Gespräch zum Thema „Danzig 1945. Ende des Krieges. Danzig 2005. Stadt der Verständigung“ fand am 30. März 2005 statt. Es war eine Fortsetzung des Engagements der Erich-Brost-Stiftung in Polen zwecks Förderung der deutsch-polnischen Verständigung. Die diskutierten Themen waren: Interpretation der Ereignisse von 1945 – Flucht bzw. Vertreibung der deutschen Einwohner und die Besiedelung von Gdańsk und anderer sog. wiedergewonnener Gebiete durch die polnische Bevölkerung, die aus den alten polnischen Ostgebieten vertrieben worden war; Gegenwart und Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen (auch im europäischen Kontext). Am 2. Juni 2006 fand das zweite Danziger Gespräch zum Thema „Made in Gdańsk. Stadtmarketing“ statt. Im Mittelpunkt der Beratungen standen: Vermarktung eines Landes und einer Stadt; die Schaffung eines Markenzeichens der Stadt; die Bedeutung der Marke Danzig für ausländische Touristen.

Die Warschauer Vertretung der Friedrich-Ebert- Stiftung begleitet den gesellschaftlichen Wandel in unserem Land seit 25 Jahren. Damit ist die Stiftung ebenso alt wie unsere Demokratie und Zeugin einer mitunter bewegten Geschichte von Erfolgen, Fehlschlägen und Versuchen sowie von unterschiedlichen Etappen, die Polen bewältigen musste, um die Verluste und Rückstände vergangener Jahre aufzuholen. Über diese ganze Zeit hinweg bot die Stiftung ihre Hilfe all jenen an, die an diesem Wandel aktiv teilnehmen wollten, sowohl durch Taten zur Änderung der Wirklichkeit als auch durch deren Analyse und Beschreibung aus sozialdemokratischer Perspektive. Mein grosses Interesse finden seit jeher die von der Stiftung herausgegebenen Berichte und Analysen. Diese fundierten und tiefgründigen Materialien sind für die Arbeit eines Parlamentariers äusserst nützlich. Ich gratuliere zu der Begeisterung, die die Arbeit der Stiftung in Polen seit 25 Jahren begleitet und wünsche zahlreiche Gelegenheiten, die Früchte dieser Arbeit nicht nur in unserem Land zu beobachten, sondern auch überall dort, wo Marktwirtschaft, Demokratie und Bürgergesellschaft ihre ersten Schritte tun.

Marek BorowskiSenator der Republik Polen

Sozialreport Polen

Der „Sozialreport Polen 2005“, herausgegeben 2005 in Polnisch und Englisch, stieß nicht nur in Polen, sondern auch in den übrigen mitteleuropäischen Ländern auf großes Interesse. In Polen wurde er zur Grundlage für die notwendigen Diskussionen über die Weiterentwicklung der Sozial- und Wirtschaftspolitik des Landes innerhalb der EU. Der Sozialreport Polen beleuchtete die komplexen sozialen und wirtschaftlichen Umgestaltungen in Polen und zeigte aktuelle Trends auf. Autoren des Reports waren Prof. Juliusz Gardawski, Prof. Stanisława Golinowska, Dr. Bożena Balcerzak-Paradowska und Prof. Maciej Żukowski.

Buch „Diversity and Commo­nality in European Social Policies: THe Forging of a European Social Model”

In dem 2009 veröffentlichten Buch werden die Wohlfahrtsmodelle und -reformen der letzten zwanzig Jahre in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Dänemark sowie Polen, Tschechien und Estland untersucht. Unterschiede und Gemeinsamkeiten unter den alten, unter den neuen sowie zwischen alten und neuen Mitgliedsländern wurden in dem Buch festgehalten. Es wurden wechselseitige Einflüsse dieser Länder herausgearbeitet, die Sozialpolitik der EU und ihre Wirkung auf die Mitgliedsländer analysiert, insbesondere in der Folge der Lissabon- Strategie. Im letzten Kapitel wurden schließlich die Herausforderungen für die EU – Globalisierung, technologische Revolution, Umwelt und Klimawandel, Alterung der europäischen Gesellschaft – analysiert und Lösungsansätze formuliert.

Dieses Buch, ein großes internationales Projekt, trug zur Debatte (auch in europäischen Organisationen) zum Thema Sozialpolitik bei. Unter den Autoren waren polnischerseits Prof. Stanisława Golinowska und Prof. Maciej Żukowski.

Ausstellung „Willy Brandt und Polen. Die Teilung Europas überwinden”

Die Ausstellung „Willy Brandt und Polen. Die Teilung Europas überwinden“, die das Leben und die politische Tätigkeit von Willy Brandt sowie seinen Beitrag für die deutsch-polnische Versöhnung und die Entspannung zwischen Ost- und Westeuropa darstellt, präsentierte das Warschauer Büro der FES das erste Mal am 15. Juni 2010 im Danziger Neuen Rathaus. Gelegenheit dazu bot die Diskussion „Versöhnung als Brücke in die Zukunft – Willy Brandt als Vordenker für Europa“ mit Angelica Schwall-Düren, heute Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, und dem Stadtpräsidenten Paweł Adamowicz. Einige Monate später eröffnete der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Ausstellung im Rahmen der Willy-Brandt-Lesung in Breslau. Insgesamt wurde die Ausstellung an zehn Orten gezeigt, darunter Danzig, Breslau, Warschau, Lodz, Thorn, Posen, Oświęcim und Oppeln.

Am 7. Dezember 2000 wurde im Königsschloss in Warschau die erste Willy Brandt gewidmete Ausstellung der FES „Willy Brandt und Polen. Für Frieden in Freiheit und sozialer Gerechtigkeit“ feierlich eröffnet. Die Ausstellung wurde in vielen Städten Polens, u.a. in Krakau, Lublin, Lodz, Stettin und Breslau präsentiert.

Warschauer Debatten zur Sozialpolitik

Die FES rief in Zusammenarbeit mit der ICRA-Stiftung 2011 die sozialpolitische Diskussions- und Publikationsreihe „Warschauer Debatten zur Sozialpolitik“ ins Leben, in deren Rahmen Expert_innen aus Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften, Verwaltung, Arbeitgeberverbänden sowie Studierende über aktuelle sozialpolitische Fragestellungen in Polen diskutieren. Zu den drängendsten Themen der vergangenen Jahre zählten dabei die Rentenreform, die Zukunft der Kinderbetreuung und die Bewältigung der Jugendarbeitslosigkeit. Die Ergebnisse der Diskussionsrunden wurden anschließend in Analysen aufbereitet und einem Fachpublikum elektronisch wie auch in Printform zugänglich gemacht. Auf diese Weise gelang es der FES, ein sozialpolitisches Diskussionsforum in Polen zu etablieren, das über den rein akademisch orientierten Interessentenkreis hinausgeht und verstärkt practitioners in den Diskurs einbindet.

Europe in the Asian Century

Seit 2011 organisiert die FES Warschau zusammen mit demosEUROPA – Centre for European Strategy und dem Warschauer Büro des European Council on Foreign Relations jährlich den Expertenworkshop „Europe in the Asian Century“. Gegenstand des Workshops sind die politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen der raschen Entwicklung Asiens und Chinas im Besonderen und ihr Einfluss auf die Europäische Union. Weil sich keine Politik mehr betreiben lässt, ohne China zu berücksichtigen, sind die Workshops ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Expert_innen aus mehreren Ländern, darunter Deutschland, Großbritannien, Schweden, Belgien, Frankreich und Polen, nehmen daran teil. Die Beiträge der Teilnehmer_innen des Workshops und die Ergebnisse der geführten Gespräche werden in Form von Online-Publikationen einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

Das Progressive Netzwerk Deutschland-Polen

Der Expertenworkshop wird von der FES Warschau seit 2011 ein bis zwei Mal im Jahr organisiert. Er bringt deutsche und polnische progressive Nachwuchspolitiker_innen, Journalist_innen, Vertreter_innen von NGOs und der staatlichen Verwaltung sowie Wissenschaftler_innen zusammen. Die Teilnehmer_innen diskutieren über die deutsch-polnischen Herausforderungen für Europa und versuchen gemeinsame Impulse für Europa zu finden. Die Ergebnisse der Gespräche, die seit 2011 in einem geschlossenen Kreis geführt wurden, wurden 2014 in Form einer Beratungsstudie „Deutschland und Polen – gemeinsam für eine solidarische Zukunft in Europa“ in deutscher und polnischer Sprache veröffentlicht und im Rahmen eines Seminars einem breiten Publikum präsentiert.

In der Studie wurden aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen thematisiert, wie z.B. Wirtschaft, Finanzen und Haushalt; Arbeit und Soziales; europäische Innenpolitik; Energie und Klima; ökologische Industriepolitik; Umweltschutz; Bildung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft; Erweiterungspolitik sowie Außen- und Sicherheitspolitik; die Rolle der deutsch-polnischen Beziehungen und die Perspektiven der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in der EU. Es wurden dabei konkrete Lösungsvorschläge ergearbeitet, die die Zusammenarbeit der beiden Gesellschaften und eine gezielte Weiterentwicklung

Das Deutsch-Polnische Sicherheitstandem

Das Deutsch-Polnische Sicherheitstandem ist ein seit 2012 von der FES und der Stiftung Amicus Europae organisierter Expertenworkshop. Es findet ein bis zwei Mal jährlich in Warschau statt und bringt deutsche und polnische Politiker_innen, Diplomat_innen, Vertreter_innen der Staatsverwaltung, Expert_innen etc. aus dem Bereich Außen- und Sicherheitspolitik zusammen, um Perspektiven und Positionen für eine aktive Rolle der EU in der globalen wie auch regionalen Sicherheitspolitik zu entwickeln. Sowohl von polnischer als auch von deutscher Seite besteht ein großes Interesse wie auch ein enormer Bedarf an einem regelmäßigen sicherheitspolitischen Austausch zwischen den Entscheidungsträger_ innen und Expert_innen beider Länder. Dieser Austausch ist insoweit notwendig, als Deutschland und Polen einerseits zunehmend gemeinsame sicherheitspolitische Positionen im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) entwickeln sollten, sich die beiden Nachbarländer andererseits jedoch weiterhin durch unterschiedliche sicherheitspolitische Perspektiven und Traditionen unterscheiden.

Polnische Frauen in ländlichen Regionen (Polka Powiatowa)

Das Ziel dieses im Jahr 2013 von der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Stiftung „Räume des Dialogs“ ins Leben gerufenen Projekts besteht darin, Frauen in ländlichen Regionen auf dem Weg zu einer ausgeglicheneren wirtschaftlichen Entwicklung und der grünen Modernisierung Unterstützungsmöglichkeiten im Rahmen des Haushalts für Europa im Zeitraum von 2014–2020 aufzuzeigen. Zunächst erschien das Buch „Polka powiatowa i zielona modernizacja“ (Die Polin in ländlichen Regionen und die grüne Modernisierung) von Beata Maciejewska, das die Erfahrungen von Frauen beschreibt, deren Leben mit ländlichen Regionen, erneuerbaren Energien oder der Lokalpolitik verbunden ist. Im Folgejahr nahmen etwa 100 gesellschaftlich und politisch engagierte Frauen aus ländlichen Regionen an Workshops teil, die sich mit den Thesen der oben genannten Publikation auseinandersetzen. Die Postulate der „Polin im Landkreis“ wurden abschließend während eines Treffens der Workshop-Teilnehmerinnen mit der Regierungsbeauftragten für Gleichstellung Prof. Małgorzata Fuszara vorgestellt. Im Jahr 2015 wurden die Arbeiten zu deren Formalisierung im Rahmen der von der Gleichstellungsbeauftragten eingesetzten Arbeitsgruppe „Grüne Polin“ fortgesetzt.

„Reaktivierung der Demokratie“ und „Sozialdemokratische Sozialpolitik“

In den Jahren 2014 und 2015 organisierte die Friedrich-Ebert-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Ferdinand-Lasalle-Zentrum für Soziales Denken eine Seminarreihe unter dem Titel „Reaktivierung der Demokratie“. Ziele dieses Projekts waren die Anregung einer Diskussion über den Zustand der demokratischen Institutionen unter dem Druck der Wirtschaftskrise und die Vorstellung von Ideenvorschlägen zur Stärkung der Demokratie. In den Seminaren gaben die eingeladenen Expert_innen eine Einführung in die Diskussion mit den Teilnehmenden: Vertreter_innen aus Politik, Medien und Nichtregierungsorganisationen sowie Student_ innen. Es wurde unter anderem über die Krise der politischen Parteien, den Einfluss der Medien auf die Demokratie oder neue gesellschaftliche Bewegungen, die als Antwort auf die Wirtschaftskrise entstanden diskutiert. Die Debatten wurden in Form von Videoaufnahmen veröffentlicht. Den Abschluss des Projekts bildet im Jahr 2015 die Veröffentlichung eines Buches mit redigierten Fassungen der Expert_innenvorträge aus den Seminaren.

Die „Reaktivierung der Demokratie“ stellt gewissermaßen die Fortsetzung des in den vergangenen Jahren gemeinsam durchgeführten Projekts „Sozialdemokratische Gesellschaftspolitik“ dar. In diesem Rahmen entstand ein Buch unter dem gleichen Titel zu verschiedenen Problembereichen der Sozialpolitik (unter anderem Gesundheit, Bildung, Arbeit) aus sozialdemokratischer Perspektive mit Hauptfokus auf Politiker_innen linker Parteien sowie Aktivist_innen mit Forderungen an die Regierung. Im nächsten Schritt stellten die Autor_innen des Buches dessen Thesen in zahlreichen polnischen Städten vor und beteiligten lokale Funktionäre im Bereich Politik und Gesellschaft an den Diskussionen darüber.

Gewerk­schafts­projekte

Im gewerkschaftlichen Bereich gelang es der FES, mehrere neue Dialogreihen mitzuinitiieren. Im Vordergrund standen dabei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der polnischen und deutschen Gewerkschaften in einem gemeinsamen Europa sowie die Förderung des Gewerkschaftsnachwuchses in Polen. Auf der Vorstandsebene etablierte sich das „Deutsch-Polnische Gewerkschaftsforum“, das 2014 bereits zum fünften Mal Zukunftsfragen der deutschen und polnischen Gewerkschaften diskutierte. Weiterhin unterstützte die FES die IG Metall sowie die polnischen Metallgewerkschaften von NSZZ „Solidarność“ und OPZZ dabei, einen industriepolitischen Dialog ins Leben zu rufen. Unter dem Titel „Industriepolitik in Europa“ diskutieren Gewerkschafter_innen beider Länder die Bedeutung des Industriesektors für die polnische bzw. die deutsche Volkswirtschaft und Möglichkeiten gewerkschaftlicher Gestaltungsmöglichkeiten im industriepolitischen Bereich. Desweiteren gelang es gemeinsam mit ver.di und der polnischen Dachgewerkschaft Forum (FZZ), eine Gewerkschaftliche Zusammenarbeit im Bereich Öffentlicher Dienst zu beginnen, die sich unter anderem dem Thema der anhaltenden Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen in Polen wie auch in Deutschland zuwendet und nach Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und Solidarität sucht. Zudem stärkte die FES durch ihre Maßnahmen gewerkschaftliche Nachwuchskräfte in Polen. Neben Schulungen und Workshops ist dabei insbesondere die Sommerschule „Gemeinsam erreichen wir mehr“ (mit OMS Lassalle) zu erwähnen, in deren Rahmen Nachwuchsgewerkschafter_innen und progressive Jungpolitiker_innen aktuelle gesellschaftspolitische Fragestellungen diskutieren und Handlungsmöglichkeiten für soziales Engagement erarbeiten. Ein besonderer Erfolg der FES im Bereich gewerkschaftliche Nachwuchsarbeit war die Gründung einer Jugendkommission innerhalb des Gewerkschaftverbands Forum (FZZ), ein Prozess, den die FES von Anfang an begleitete. Desweiteren veröffentliche die FES die bereits in der 2. Auflage erschienene Studie „Die Gewerkschaften in Polen“, die sich mittlerweile als Standardwerk etabliert hat.

Seminare zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar

Ebenfalls ein wichtiger Teil der Gewerkschaftsarbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung ist die Zusammenarbeit mit den Bildungsgewerkschaften aus Israel, Polen und Deutschland zum Thema Holocaust Education. Bereits seit 2008 organisiert die Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam mit den Bildungsgewerkschaften Histadrut Hamorim (Israel), NSZZ „Solidarność“ und ZNP (Polen), GÖD (Österreich) sowie VEB und GEW (Deutschland) alle zwei Jahre Seminare rund um den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar. Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz organisierte die Bildungsinternationale unterstützt von den Bildungsgewerkschaften und der FES eine internationale Fachkonferenz in Krakau. An der Veranstaltung nahmen bildungsgewerkschaftliche Delegationen aus aller Welt teil, darunter Gewerkschafter_innen aus den USA, Frankreich, Ungarn, Großbritannien, der Slowakei, Schweden, Griechenland und Zypern.

Zusammenarbeit im Ostseeraum

Das Büro der FES Warschau entwickelte sich zu einer treibenden Kraft im Rahmen der regionalen Arbeitslinie „Zusammenarbeit im Ostseeraum“. Hier gelang es in den vergangenen Jahren, gleich mehrere Maßnahmenreihen zu initiieren und damit das Thema Ostsee-Kooperation fest in den Arbeitsstrukturen progressiver politischer Kräfte aus dem Ostseeraum zu verankern. Hierzu zählen der „Zukunftsradar Ostsee“, eine Workshopreihe, in der progressive politische Nachwuchskräfte aus den Ostseeanrainerstaaten aktuelle Herausforderungen und Chancen der Sozialen Demokratie in der Region diskutieren. Im Rahmen der jährlich stattfindenden „Ostsee-Konferenz“ brachte die FES politische und gewerkschaftliche Entscheidungsträger_ innen sowie Wissenschaftler_ innen und NGO-Vertreter_innen aus den Staaten rund um die Ostsee zusammen, um über Fragen der sozialen Gerechtigkeit im Ostseeraum zu diskutieren und Lösungsansätze für eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit in dieser europäischen Modellregion zu erarbeiten.

Seit dem Beginn unserer Tätigkeit ist die Friedrich-Ebert-Stiftung einer unserer wichtigsten Partner. Die FES ist einer der führenden und integralen Teilnehmer im Dialog über die Themen Demokratie, Transformationsprozesse, Integration sowie internationale Zusammenarbeit auf polnischer und europäischer Ebene. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der FES in Warschau bedanken wir uns für die bisherige Zusammenarbeit und wünschen viel Erfolg bei der Durchführung künftiger Vorhaben.

demosEUROPA – Centre for European Strategy

Unsere Partner

  1. Aleksander-Kwaśniewski-Stiftung Amicus Europae (FAE)
  2. Centropa
  3. demosEuropa – Centre for European Strategy
  4. Europäisches Zentrum der „Solidarność“
  5. European Council on Foreign Relations (ECFR)
  6. Ferdinand-Lassalle-Zentrum für Soziales Denken (OMS Lassalle)
  7. Gesamtpolnischer Gewerkschaftsverband der Krankenschwestern und Hebammen (OZZPiP)
  8. Gewerkschaft der polnischen Lehrerschaft (ZNP)
  9. Forum der Gewerkschaften (FZZ)
  10. Gesamtpolnischer Gewerkschaftsverband (OPZZ)
  11. Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit (HDPZ)
  12. Ignacy-Daszyński-Zentrum
  13. Institut für Arbeit und Soziales (IPiSS)
  14. Institut für Öffentliche Angelegenheiten (ISP)
  15. Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim / Auschwitz (IJBS)
  16. Krytyka Polityczna
  17. NSZZ „Solidarność”
  18. Polnisches Institut für Internationale Angelegenheiten (PISM)
  19. Stiftung CentrumCSR.PL
  20. Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit (SdpZ)
  21. Stiftung ICRA (International Centre for Research and Analysis)
  22. Stiftung „Räume des Dialogs“ (Przestrzenie Dialogu)
  23. Willy-Brandt-Zentrum für Deutschlandund Europastudien der Universität Wrocław (WBZ)
  24. Zentrum für Internationale Beziehungen (CSM)

Liste der Büroleiter

KLAUS GRIMMJanuar 1990 – August 1994
WITOLD SARTORIUS(Projekt: Wirtschafts- und Sozialpolitik in Polen) März 1991 – Juli 1994
HARDY KOCHJanuar 1991 – April 1993
THADDÄUS SCHÄPE1992–1997
ACHIM MÖLLERNovember 1993 – November 1996
HANS R. BLUMENTHALAugust 1994 – März 1998
KLAUS PUMBERGERFebruar 1997 – Juni 1998
HERMANN BÜNZApril 1998 – Mai 2003
FRANK HANTKEOktober 1998 – Dezember 2003
PETER HENGSTENBERGSeptember 2003 – August 2009
CLEMENS RODEDezember 2003 – Dezember 2008
KNUT DETHLEFSENSeptember 2009 – Juli 2014
JOACHIM SCHLÜTTEROktober 2011 – August 2014
ROLAND FEICHTseit August 2014
DANIEL REICHART UND VALESKA HESSEseit August 2014

Vertretung in Polen

Projekt: Regionalentwicklung Schlesien, Büro Gleiwitz

Gewerkschaftskooperationsprojekt – seit 1998 unter dem Namen: Regionalgewerkschaftsprojekt

Seit Anfang 1999 trägt das Projekt den Namen: „Regionalprojekt für Arbeitsbeziehungen und Sozialen Dialog in Mittel- und Osteuropa“. Im Januar 2009 wurde der Sitz des Projektes nach Bratislava und im September 2011 wieder nach Warschau verlegt. Der derzeitige Name des erneut in Bratislava ansässigen Projektes lautet: Regionalprojekt Gewerkschaftliche Netzwerkbildung und sozialer Dialog in Mittelost- und Südost-Europa.